Geschichte

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Anlage und Einrichtung eines Schleifkottens

"Von dem Wasserrad wird die Kraft über eine achtkantige Achse auf ein großes, hölzernes Kammrad übertragen. Dieses greift in zwei kleine, kegelförmige Zahnräder, die früher ebenfalls hölzernen, in jüngerer Zeit aus Eisen gegossenen Ritzel (auch Getauen genannt). Die Umdrehung des Wasserrades von 16 bis 20 U/Min. ist an diesen Ritzel bereits vervierfacht. Auf den Achsen der beiden Ritzel sitzen große Riemenscheiben: das so genannte Steinrad, das über Transmissionen die großen Schleifsteine antreibt und auch - so wie das Hollrad ausschließlich die Kraft, ebenfalls über Riemen, an die einzelnen Läuferräder und von dort über Riemenlager (Pleiden) zu den Pliestscheiben je einer Kottenseite weitergibt. Die Pliestscheiben erreichen dadurch 900 bis 1400 U/Min.

Im Verlaufe des 19 Jahrhunderts wurden bei Um- und Ausbauten verschiedener Kotten auch etwas andere Kraftübertragungen angewendet, bei denen die Räder nur noch Stirnverzahnung besitzen.

Die Schleifsteine wurden aus der Kyllburger Waldeifel bezogen, wo in Neidenbach, Kyllburg und anderen Orten die dickwangigen Rötsandsteine gebrochen wurden. In jüngerer Zeit verwendet man Kunststeine, die in Solingen selbst hergestellt wurden. Die Steine besitzen Durchmesser von bis zu 3 m. Ihre Achse liegt etwa 1 m über dem Fußboden. Zwischen den Lagern war im Fußboden ein Trog ausgemauert, der einen Abfluss zum Unterwasser hatte.

Bis zur letzten Jahrhundertwende wurden die Schleifsteine auf einem an der Achse befestigten achtkantigen Klotz festgekeilt; seitdem müssen sie wegen der Unfallgefahr zwischen zwei Eisenscheiben, dem so genannten Steingeschirr, festgemacht werden. Außerdem besitzen sie seitdem eine eiserne anstelle der früher üblichen hölzernen Schutzhaube, den so genannten Steinbock. 

Die Pliestscheiben bestehen aus Buchenholz und sind mit Rindleder bezogen. Sie sind aus Segmenten so zusammengesetzt, dass die Saftröhren des Holzes auf den Umfang der Scheibe zulaufen; dadurch konnte das Polier- oder Pliestmittel gut in das Holz eindringen. Gemäß den verschiedenen Ansprüchen haben die Scheiben verschiedene Stärken und Durchmesser. Gewöhnlich messen sie 40 bis 60 cm im Durchmesser und sind 25 mm bis 35 mm dick. Die Pliestscheiben laufen auf Wellen, den so genannten Pliestachsen, die am rechten Ende schwach konisch zulaufen. Dadurch können die Scheiben leicht gewechselt werden. Das Achslager, der so genannte "Pülf", ruhte früher auf einem Träger aus massivem Stein, der "Ständer" (Stänger) genannt wurde; heute ist es ein auf zwei Beinen stehender Träger, das "Stühlchen".

Die Pliestscheiben werden mit einer Mischung aus Knochenleim, Öl und Schmirgel bestrichen. Den Schmirgel beziehen die Schleifer von einer Solinger Firma, die Naxos-Schmirgel durch Mahlen, Sieben und Schlämmen unter Zusatz von Polierrot (Eisenoxyd) und anderen künstlichen Schleifmitteln zu verschiedenen Handelssorten verarbeitet.

Als Schutzvorrichtung gegen Öl- und Schmirgelspritzer steht hinter der Pliestscheibe ein Holzständer, der "Jeck", dessen Fuß sich als so genanntes "Schmeerbrett" unter der Scheibe fortsetzt; sein leicht abnehmbares Oberbrett hängt über der Pliestschiebe. (Zitat aus: Institut für den wissenschaftlichen Film, Schleifen von Messerklingen in einem Solinger Kotten, Göttingen 1964)

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  • Zur Frühgeschichte des Kottens
  • Die Wasserkräfte der Wupper
  • Vom Ende der Wasserkraft
  • Anlage und Einrichtung eines Schleifkottens
  • Besitzverhältnisse und Arbeitsbedingungen
  • Vom Schleifkotten zum Denkmal
  • Zukunftsperspektiven
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